Zusammenfassung Vortrag „Das Leben in die eigene Hand nehmen“ – Teil 1

Der Vortrag am Gasteig „Das Leben in die eigene Hand nehmen – Martin E. Seligman und as Konzept der erlernten Hilflosigkeit“ findet regelmäßig statt. Er vermittelt Grundlagen-Wissen zum Thema Souveränität und einem Selbst-Sabotage-Mechanismus, der einer der Hauptgründe ist, warum so häufig Energie, Freude und Selbst-Wertschätzung im eigenen Leben fehlen.

Einige Hörer haben sich eine Zusammenfassung gewünscht – hier ist sie. Auch für alle, die den Vortrag noch nicht gehört haben, ist der Beitrag interessant, vor allem im Zusammenhang mit der Artikel-Serie zu Gewohnheiten.

Stellen Sie sich vor, Ihr Leben ist ein Auto. Sitzen Sie immer am Steuer? Oder fühlt es sich manchmal so an, als wären Sie nur Beifahrer und am Steuer sitzt jemand anders? Warum kann ich nicht immer selbst-bestimmt handeln und rutsche in Hilflosigkeit oder Selbst-Sabotage?

Ziel des Artikels ist es, ein inneres Muster anzufangen zu erkennen, das dazu führt, dass ich mir „die Zügel aus der Hand nehmen lasse“.

Die Ursache für Selbst-Sabotage, fehlende Energie und fehlende Lebensfreude sind belastende Erfahrungen. Sie erzeugen einen „Negativ-Kreislauf“. Entstanden ist er durch etwas, das ich im Außen erfahre. Anschließend halte ich ihn selbst aufrecht. Er ist meist unbewusst und sehr stabil. Aber es gibt eine Lösung für das Beenden des Kreislaufes.

Zum Verständnis hilfreich sind die Experimente von Seligmann zur „Erlernten Hilflosigkeit“, die er 1967 begonnen hat. Sie sind ethisch bedenklich, aber ich berichte trotzdem von ihnen, weil das Ergebnis einen sehr wichtigen Mechanismus in uns deutlich macht, der für viel Leid verantwortlich ist.

Seligmann führte Lernexperiment mit Hunden durch. Es gab drei Gruppen. Eine Gruppe wurde in einem ersten Durchgang unangenehmen Reizen (kurzen elektrischen Schocks) ausgesetzt, die sie durch Betätigung eines Hebels beenden konnten. Eine zweite Gruppe war denselben Reizen ausgesetzt, konnte sie aber nicht beenden. Eine dritte Gruppe bekam keine Reize.

Die Hunde, die den Hebel betätigen konnten, lernten sehr schnell, den unangenehmen Reiz zu beenden. In einem zweiten Durchgang wurden dann alle drei Gruppen in eine Box gesetzt, die sie durch eine Klappe verlassen konnten. Diesmal bekamen alle drei Gruppen unangenehme Reize dargeboten und alle drei Gruppen konnten die Box durch die Klappe verlassen. Gruppe 1 (die den Reiz im ersten Durchgang hatten beenden können) lernte sehr schnell, die Box durch die Klappe zu verlassen. Die Kontrollgruppe (Gruppe 3), die im ersten Durchgang keine Reize dargeboten bekommen hatte, lernte etwas langsamer, die Box zu verlassen. Und Gruppe 2 – die keine Möglichkeit gehabt hatte, den unangenehmen Reiz abzustellen – verließ zum Großteil die Box gar nicht. Die Hunde legten sich apathisch hin und ließen den Schmerz über sich ergehen. Sie hatten Hilflosigkeit gelernt.

Ähnliche Ergebnisse konnten später mit Menschen gezeigt werden (mit unangenehmen Tönen – in einer sehr ähnlichen Versuchsanordnung). Wenn ich die Erfahrung der Hilflosigkeit mache, dann übertrage ich das ev. auf andere Situationen. Ich verhalte mich hilflos – obwohl ich eigentlich gar nicht hilflos bin. Es kommt zu einem Motivationsverlust (ich versuche es erst gar nicht), zu einer Lernbehinderung (ich lerne langsamer) und zu einem emotionalen Defizit – im schlimmsten Fall zu einer Hilflosigkeitsdepression.

Es entsteht das Denkmuster: „Ich bin das Problem“ – „Das Problem ist allgegenwärtig“ und „Das Problem ist unveränderlich“. Nichts davon ist wahr – aber ein Teil von mir glaubt es. Und wenn ich etwas fest glaube, dann wird es zu meiner Realität.

Aufbauend auf dem Konzept der erlernten Hilflosigkeit möchte ich Ihnen einen Negativ-Kreislauf vorstellen: Ein Verhaltensmuster, das aus belastenden Erfahrungen entsteht und zu zahlreichen Beeinträchtigungen des Alltags führen kann. Wenn ich verstehe, wie dieser Kreislauf entsteht, wie er sich selbst erhält und was sein Zweck ist, kann ich anfangen, dieses Muster in meinem Leben Schritt für Schritt zu beenden.

Was ist also mit diesem „Negativ-Kreislauf“ gemeint? Der Anfang ist immer eine belastende Erfahrung. Die Erfahrung beinhaltet überwältigende, unangenehme Gefühle. Um diese nicht aushalten zu müssen, bzw. um in der Situation nicht zu erstarren, sondern handlungsfähig zu bleiben, verdränge ich die Gefühle. Ich spalte einen Teil von mir ab. Ich schaffe ein neues Muster, die „Opferrolle“, die mir – wie eine Krücke – hilft, mit der überwältigenden Situation umzugehen. Das Problem: Bei der Abspaltung trenne ich auch einen Teil meiner kreativen Energie mit ab. Ich kann keine Energie mehr aus mir selbst schöpfen. Dadurch entsteht eine innere Leere. Weil diese Leere sehr unangenehm ist, versuche ich, sie mit Ersatzbefriedigungen zu füllen. Ersatzbefriedigungen führen nicht zu nachhaltiger Freude. Sie trösten kurz oder geben mir einen kurzen Energieschub. Danach haben sie „Nebenwirkungen“, sie führen zu einem „Loch“, z.B. zu einem schlechten Gewissen. Durch das schlechte Gewissen wird wiederum meine Opferrolle aktiviert und mein Kreisen in einem negativen Muster bestärkt.

Im folgenden werden wir uns jeden einzelnen Teil des Kreislaufs ansehen. Der Beginn liegt wie gesagt bei einer belastenden Erfahrung – einer Verletzung. Dies kann sein: Ein Schock, ein Trauma, Missbrauch oder eine „ererbte“ Verletzung.

Ein Schock ist ein kleiner oder großer Schreck. Die Mutter, die nicht kommt, wenn ich weine, ein scharf bremsendes Auto, ein kleiner Unfall mit Verletzung und ähnliches. Wenn er eintritt, ist es so, als würden wir kurz „einfrieren“ – ein Überlebensmechanismus, um die starken Gefühle nicht aushalten zu müssen, wenn der Schock auftritt. Oft bleibt der Schock über längere Zeit in uns – oft sogar über Jahre. Es ist eine kleine Blockade, an der eine unangenehme Erinnerung sitzt, wie ein kleiner Eisklumpen.

Ein Trauma ist ein großer Schock. Ein Autounfall. Eine starke Verletzung. Ein geliebter Mensch stirbt. Wie beim Schock frieren wir die Gefühle, die im Moment zu stark sind, ein. Oft stellen wir um den „Eisblock“ auch noch innere „Warnschilder“ auf, die uns daran hindern sollen, uns zu erinnern.  Wenn wir in die Richtung der Erinnerung spüren, empfinden wir vages Unwohlsein von dem wir nicht wissen, woher es kommt.

An Missbrauch ist ein anderer Mensch beteiligt. Ich verwende den Begriff sehr weit und meine damit, dass absichtlich oder gedankenlos eine körperliche oder seelische Verletzung stattfindet. Ein Mensch missbraucht seine Macht, die er einem anderen gegenüber hat. Anschreien, abwerten, hänseln, auslachen, ignorieren, schlagen und im heftigsten Fall sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung und Folter. Der Missbrauchende bekommt einen kleinen (oder großen) „Kick“, eine Art Hochgefühl. Der Missbrauchte selbst fühlt sich nach solch einer Verletzung ausgelaugt, leer, kalt, beschmutzt oder einfach nur schlecht.

„Vererbte“ Verletzungen: Es ist möglich, dass negative Erfahrungen (wie oben beschrieben) in der Familie „weitergegeben“ werden. Dies geschieht ganz unbewusst. Eltern z.B., die ein Kind verlieren, tragen Trauer in sich. Haben sie noch ein Kind, kann dieses das spüren und versuchen, die Eltern aufzumuntern. Dies kann zu einer emotionalen Belastung beim Kind führen, die genauso wirkt, wie ein Schock oder Trauma, das das Kind selbst erlebt hat. Es gibt Verletzungen, die über Generationen weitergegeben werden.

All diese Erfahrungen haben gemeinsam, dass sie im Moment des Erlebens eine emotionale Überforderung beinhalten. Es ist zu viel – ich muss mich schützen. Wie ich dies tue, beschreibe ich im nächsten Teil der Zusammenfassung.

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